
Langsamer Walzer (3/4-Takt, 30 Takte pro Min.)
Der Langsame Walzer entwickelte sich in den 1920er-Jahren in
England aus dem Boston und heißt daher auch (English) Waltz.
Die linearen Bewegungen des Boston verwandelten sich dabei in
raumgreifende Drehungen, in denen das Paar wie ein Pendel von
Höhepunkt zu Höhepunkt schwingt. Der Langsame Walzer gilt
als der schwierigste Standardtanz und ist auch der meistgeübte.
Das weiche Ein- und Ausschwingen zur schmelzenden Musik
klassischer Waltz-Melodien macht ihn zum „Tanz des Herzens“.
Wiener Walzer (3/4-Takt, 60 Takte pro Min.)
Der Wiener Walzer ist mit seinen Varianten (z. B. dem Ländler) ein
uralter, vor allem im Alpenraum beheimateter Volkstanz, der wegen
seiner „Ungezügeltheit“ oft bekämpft wurde. Am preußischen Hof
wurde er 1774 verboten, während er 20 Jahre später auf dem Wiener
Kongress Triumphe feierte. In Deutschland wurde er 1932 ins Turnier-
programm aufgenommen. Sein Reiz liegt nicht im Figurenmaterial,
sondern im berauschenden Körperschwung.
Tango (2/4-Takt, 33 Takte pro Min.)
Der Tango stammt aus Argentinien und ist, dem Stakkato der Musik
entsprechend, geprägt vom Wechsel zwischen Aktion und Pause.
Die „ruckartigen Aktionen“ (von knappen und schnellen Kopf-
bewegungen begleitete Schritte) werden im Knie weich abgefangen,
was dem Tango das Doppelgesicht verhaltener Leidenschaft gibt.
Die „gehaltenen Pausen“ verhindern „Körperschwung“ und damit
verbundene Hebungen und Neigungen.
Quickstep (4/4-Takt, 52 Takte pro Min.)
Der Quickstep entstand Mitte der 1920er- Jahre, als parallel zum
Onestep das Tempo des Foxtrott beschleunigt wurde. Im Gegensatz
zum Langsamen Walzer, mit dem ihn geschlossene Drehungen und
Chassis verbindet, ist der Quickstep dadurch charakterisiert, daß die
Körpergeschwindigkeit bei Slow fast die gleiche ist wie bei Quick
oder bei besonders schnellen Schrittfolgen. In der Familie der
Standardtänze gilt er als der „Sekt unter den Weinen“ - perlend in
seinen langgestreckten Bewegungen und spritzig in seinen Hüpf-
schritten.
Slowfox (4/4-Takt, 52 Takte pro Min.)
Der Slow Foxtrott entstand um 1900 aus dem Ragtime und amerikanischer Marschmusik und entwickelte sich zum Klassiker unter den „englischen Tänzen“. Die linearen Schrittmuster, auf natürlicher Gehbewegung basierend, wirken bei kunstvoller musikalischer Interpretation und lässigem „Understatement“ faszinierend. Dem kontinuierlichen Bewegungsfluss entsprechend, sind „fließende Posen“ besonders „foxy“.
Cha-Cha-Cha (4/4-Takt, 32 Takte pro Min.)
Der Cha-Cha-Cha stammt aus Kuba. Er wurde von Enrique Jorrin (u.a.)
aus dem Mambo entwickelt und 1957 von Gerd und Traute Hädrich
nach Deutschland importiert. Der Cha-Cha hat viele Elemente aus
anderen Tänzen in sich aufgenommen, besonders aus Jazz, Beat und
Disco. Seinen Grundcharakter, der ihn bei allen Altersstufen zum
beliebtesten Lateintanz machte, hat er dabei nicht verloren: Im Cha-
Cha kommen übermütige Ausgelassenheit und koketter Flirt zum
Ausdruck.
Rumba (4/4-Takt, 28 Takte pro Min.)
Die Rumba stammt aus dem Mambo-Bolero und ist mit der Habanera
verwandt. Sie ist ein afrokubanischer Werbungstanz: Die Dame
schwankt zwischen Hingabe und Flucht und der Herr zwischen
„Zuneigung“ und „Selbstherrlichkeit“. In Deutschland wurde die
Rumba 1932 ins Turnierprogramm aufgenommen. Sie ist der Klassiker
unter den Lateintänzen und erfordert Ausdruckskraft und Sparsamkeit der
Mittel.
Samba (2/4-Takt, 54 Takte pro Min.)
Die Samba stammt in ihrer stationären Grundform aus Brasilien bzw. aus uralten Kreistänzen der Bantu und wurde in Europa zum variationsreichen Turniertanz entwickelt. In Wiegeschritten und Voltadrehungen, Rollen und Promenadenläufen bewegen sich die Paare wellenförmig durch den Raum. Während die Wellenbewegung früher aus einem Erheben im Bein (Bounce) entstand, wird sie heute mehr durch die Bauchmuskulatur erzeugt.
Jive (4/4-Takt, 44 Takte pro Min.)
Der Jive wurde als „Jitterbug“ und „Boogie-Woogie“ (später auch „Behop“) um 1940 von amerikanischen Soldaten nach Europa gebracht, in England zum Jive entwickelt und schließlich in das Turnierprogramm der Lateintänze aufgenommen (Profis national 1968, Amateure national 73, international 76). Mit ihrer Off-Beat-Betonung auf „zwei“ und „vier“ verrät die Musik ihren afrikanischen Ursprung. Der Jive bringt robuste Lebensfreude zum Ausdruck. Er war der „Tobetanz“ der Vor-Beat-Generation aus dem sich auch der akrobatisch-athletische Rock' n' Roll entwickelt hat.
Paso Doble (2/4-Takt, 62 Takte pro Min.)
Der Paso Doble ist eine in Spanien und Frankreich entwickelte Darstellung des Stierkampfes mit Einschluss von Flamenco-Elementen. Die Dame stellt nicht den Stier dar, sondern das rote Tuch des Toreros, Herr und Dame bewegen sich also gemeinsam um einen imaginären Stier. Die Musik, ein spanischer Marschtanz, besteht aus einer Einleitung und zwei Hauptteilen mit genau festgelegten Höhepunkten, nach denen sich die Choreographie richtet. Der Tanz erfordert große Präzision und einen durchgehaltenen starken Muskeltonus.
Quelle: „Tanzen in Deutschland“, Kastell-Verlag